"Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn es der Mensch bezähmt, bewacht" - doch wenn das Feuer außer Kontrolle geriet, dann bedrohten verheerende Feuersbrünste die frühen Städte. Nach heutigem Sprachgebrauch hochbrandgefährliche Bauweisen mit viel Holz, teilweise mit Stroh gedeckte Hausdächer, schlecht gewartete Kamine, offenes Feuer zum Kochen oder zur Beleuchtung, dazu eng aneinander stehende Häuser in den von Stadtmauern umschlossenen Städten.

 
 

 

 
 

Kaum eine Stadt die deswegen in Mitteleuropa nicht Opfer eines verheerenden Stadtbrandes wurde. So auch am 14.August 1706 in Erlangen, als die Altstadt fast vollständig abbrannte.

 
     
 

Der frühe Brandschutz in den Städten war machtlos gegen solche Großfeuer. Zwar hatten die Häuser lederne Wassereimer für solche Zwecke vorzuhalten und so manche Stadt hatte eine eigene Feuerlöschmaschine (=handbetriebene Pumpe) angeschafft, doch ein gezielter Einsatz bei einem Feuer war in der Regel nicht möglich. Beispielsweise gab es 1711 eine "Feuer-Ordnung in der Hoch-Fürstlichen Brandenburgischen Residenz- und Hauptstadt Christian- und Altstadt Erlangen". Demnach waren bestimmte Handwerker zum "Feuergehorsam" verpflichtet und auch die Bürger hatten bei einem Feuer bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Da aber eine gezielte Brandbekämpfung praktisch nicht geübt wurde und keine ausgebildeten und geübten Einsatzkräfte zur Verfügung standen, funktionierte das System der Feuer-Ordnungen in der Praxis nicht. Der Brand des Erlanger Stadtschlosses führte dies am 14. Januar 1814 wieder schmerzhaft vor Augen. So wurde irgendwann im Zeitraum kurz nach 1830 von Erlanger Bürgern ein sog. Rettungsverein ("Verein zur Rettung von Personen und beweglicher Habe bei Feuersgefahr") gegründet.

 
     
 

 
                           Bild: Erlanger Stadtschloss  
 

 

 
 

1845 erwarb die Stadt Erlangen deswegen zwei damals hochmoderne Feuerspritzen von Karl Metz aus Heidelberg, um zukünftig besser gegen Feuersbrünste gewappnet zu sein. Doch wer sollte sie im Ernstfall bedienen? 1848 gründete sich in Erlangen einer der ersten Turnvereine, der sich anbot mit seinen Vereinsmitgliedern diese Feuerspritze zu bedienen. In der Magistratssitzung (Stadtratssitzung) vom 21.September 1848 wurde beschlossen "Das Anerbieten der Mitglieder des Turnvereines wegen Bedienung der großen, s.g. Heidelberger Spritze wird acceptiert". Wegen eines Regierungsbeschlusses in München wurde aus politischen Gründen diese erste sog. Turnerfeuerwehr allerdings schon am 30. April 1850 wieder aufgelöst.

 
 

 

 
 

Ab 1855 wurde vom städtischen Rechtsrat Konrad Thaler das Feuerlöschwesen in Erlangen reformiert und auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Es wurde die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr beschlossen, dazu eine freiwillige Rettungskompanie, weiter gab es Feuerpiquets der Landwehr - alles in allem eine heute recht verwirrend erscheinende Organisation. Diese "freiwillige Rettungskompanie" ist der Vorläufer der heutigen Freiwilligen Feuerwehr in Erlangen. Am 23.August 1856 fand auf dem Erlanger Theaterplatz die erste Feuerwehrübung dieser neuen Feuerwehrorganisation statt, weswegen das Jahr 1856 als das Gründungsjahr der heutigen Freiwilligen Feuerwehr in Erlangen gilt. 

 
     
 

Bis zum Jahre 1902 mussten die Feuerspritzen mit einem gehörigen Kraftaufwand von mindesten 8 Mann mit Hand bedient werden, bis in der damaligen noch selbstständigen Gemeinde Bruck die erste Dampfspritze angeschafft wurde. Erlangen selbst folgte 1906 mit einer eigenen Dampfspritze, die übrigens bis 1946 noch im Dienst war! 1911 folgte eine vierteilige, pferdebespannte Drehleiter der Firma Justus Christian Braun aus Nürnberg und 1925 die erste automobile Kraftspritze "Modell Bayern" von Magirus aus Ulm. Vollständig motorisiert werden konnte der Fuhrpark der Erlanger Feuerwehr allerdings erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, als die Feuerwehr eine gebrauchte Kraftfahrdrehleiter des Typs KL 26 erhielt. Diese Drehleiter ist heute das Traditionsfahrzeug der Erlanger Feuerwehr. 1946 wurden erstmals 21 hauptberufliche Feuerwehrleute auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung eingestellt und bis Februar 1950 als Berufsfeuerwehr bezeichnet. Parallel dazu bestand natürlich weiterhin die Freiwillige Feuerwehr mit damals 201 Einsatzkräften. Seit 1950 sind die hauptamtlichen Einsatzkräfte der Erlanger Feuerwehr als Ständige Wache der Freiwilligen Feuerwehr Erlangen organisiert.

 
     

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