Pressebericht: Fränkischer Tag vom 11./12.07.2009

Mit Wärme vom Dach in die Zukunft

INNOVATION  Die Freiwillige Feuerwehr Erlangen-Stadt investiert in die Zukunft. Eine Photovoltaikanlage soll helfen CO2 zu mindern und den Verein nachhaltig zu unterstützen.

Erlangen — Im Grunde ist die Freiwillige Feuerwehr Erlangen-Stadt ein gemeinnütziger Verein wie jeder andere in Deutschland. Im Grunde eine freiwillige Feuerwehr wie jede andere in Bayern. Ehrenamtliche Retter helfen anderen Menschen wenn der Alarm losgeht – die Piepser tönen und damit anzeigen, dass Gefahr in Verzug ist oder ein Unglück – sei es Brand oder Unfall – schon eingetreten ist.

     

Doch wenn sie wie jeder andere Verein, wie jede andere Feuerwehr wären, dann müsste es keinen Bericht über diese Gruppierung geben. Denn die Vorstandschaft hat vor knapp zwei Jahren eine besondere Idee gehabt. Michael Gietl (2. Vorsitzender) saß mit einem Kameraden zusammen und diskutierte über das Leitbild der Feuerwehr.
Unter anderem ging es um die Ökologie, die Nachhaltigkeit in diesem Bereich und wie die Feuerwehr dort aktiv werden kann.

Viele Ideen wurden ersonnen, alle – bis auf eine – wieder verworfen. Diese ist bei dem Blick auf die Dächer der Feuerwehrwache entstanden. Denn die Dächer waren einfach leer. Raumverschwendung, so die einhellige Meinung. Und so schritten die beiden zur Tat. Photovoltaikanlage, das sei die Möglichkeit in mehreren Bereichen positiv zu wirken.

Friedhelm Weidinger (links) und Michael Gietl schauen sich die Anlage von oben an. Foto: Michael Busch  
     

Doch zunächst musste einiges geklärt werden. Denn die Feuerwehr in der Erlanger Innenstadt weist noch eine Besonderheit auf. Die Freiwillige Feuerwehr ist nämlich auf dem Gelände der Ständigen Wache angegliedert. Und da wird es rechtlich kompliziert. Denn im Grunde gibt es zwei Wehren auf dem Gelände an der Äußeren Brucker Straße: Die Ständige Wache mit ihren berufsmäßigen Feuerwehrleuten, die von der Stadt bezahlt werden und die Freiwillige Feuerwehr, die komplett ehrenamtlich arbeitet. Und beide sitzen auf einem Areal, das der Stadt gehört.

 

Die beiden Wehren, so Gietl und auch der Feuerwehrchef der Ständigen Wache, Friedhelm Weidinger, verstehen und ergänzen sich allerdings. Viele der Berufsfeuerwehrleute sind auch in der „Freiwilligen“ aktiv und neben dem „Hauptjob“ dort ehrenamtlich tätig. „Blaulichtaffine“, so die schmunzelnde Bezeichnung mancher Beobachter.

 
     
  Umgang mit den Gewinnen  
     
 

Da die Konstellation so ist, wurde von Gietl der Leiter des Amtes 43, Friedhelm Weidinger, sofort mit ins Boot geholt, ebenso die Personalvertreter wie Markus Stirnweiß anlässlich der Inbetriebnahme
erläuterte. Zusammen wurde über Vor- und Nachteile diskutiert, die Pläne erstellt und wieder verworfen. Es musste über die Dachflächen verhandelt werden, da diese der Stadt und nicht dem Verein gehören. Doch da die Stadt bereits seit längerem diese Art der Sonnennutzung fördert, war dies recht schnell in trockenen Tüchern. Schwieriger war die Feststellung wie ein Verein letztlich mit den Kosten und den möglichen Gewinnen umgeben muss. Dabei ging es um die Wahrung der Gemeinnützigkeit, der Klarstellung was mit den Gewinnen passieren soll, wer letztlich den Nutzen der immerhin rund 200 000 Euro teuren Investition hat. Dieser Punkt ist für Gietl extrem wichtig: „Denn ich bin in etwa 15 Jahren, dann ist das Projekt refinanziert, wohl nicht mehr auf meinen Posten.“ Doch die Vorteile liegen auf der Hand:
„Die Spenden für die Feuerwehr gehen leider immer weiter zurück.“
Das heißt für Gietl, dass Einnahmequellen generiert werden mussten. Im Grunde ist die Photovoltaikanlage nichts anderes als der Würstchenverkauf beim Sommerfest, die Tombola am Aktionstag – nur eben nachhaltiger.

 
     
  Stabile Vereinsplanung  
     
 

So sollen die Mitgliedsbeiträge stabil gehalten werden, oder dringend benötigte Ausrüstung für die Freiwillige Feuerwehr finanziert werden. Irritationen, dass die Freiwilligen dann auch die Ständige Wache finanzieren, dem treten Gietl und Weidinger entschieden entgegen: „Das ist auch weiterhin Aufgabe der Stadt, der Regierung von Mittelfranken und des Freistaates.“ Die anderen Ortswehren und deren Vereine sind auch ausschließlich für sich zuständig. Ob die ganzen Vorausberechnungen nun aufgehen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Denn am Mittwoch wurde die 780 Quadratmeter große Anlage offiziell in Betrieb genommen. Und Weidinger lächelte beim Sonnenschein vor den Zählern. Denn der Zähler, der den produzierten Strom anzeigte lief deutlich schneller als der Zähler für den eigenen Stromverbrauch. Noch ein Punkt für die Nachhaltigkeit, so Gietl. Denn wenn Strom mal teurer wird und „wir den Saft nicht mehr ins Netz einspeisen können oder dürfen, dann können wir uns selbst versorgen. “Immerhin reicht die Strommenge im Jahr für die Versorgung von rund 14 Einfamilienhäuser, da sollte die Wachversorgung  sichergestellt sein.
Und da sind beide Wehren, freiwillig und Ständige Wache, sicher glücklich.

 
     
     
Quelle: Fränkischer Tag -  Ausgabe vom 11. /12.07.2009
Pressebericht: Michael Busch
Foto: Michael Busch

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