Pressebericht: Michael Busch/ Fränkischer Tag - Nachrichten vom 02.06.2012  
Hoffen aufs Nichtstun
 

Bergserie Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Erlangen sind zur Sicherheit am Berg. Je weniger sie zu tun haben, desto besser ist das für den Berg.

 

Es ist eine Frage, die ab 18 Uhr immer wieder in der unteren Bergstraße auftaucht: "Habt Ihr hier eine Toilette?" Die Feuerwehrler der "Wache West" nehmen's mit Humor und verweisen auf die öffentlichen Anlagen etwa 20 Meter entfernt. "Ja, wissen wir, aber da stehen so viele Menschen an." Dies ist eine der wenigen "Notfall-Gegebenheiten", bei der die Feuerwehrler in der neu geschaffenen Unterkunft nicht weiterhelfen können. Sie geben gerne Auskunft, begleiten Verletzte und Betrunkene zu den Rettungssanitätern auf der anderen Seite der Bergstraße, sie versorgen eine blutende Wunde auch mal vorab, um den körperlichen Schaden in Grenzen zu halten. Und sie hoffen von morgens neun Uhr bis um Mitternacht, dass es zu keinem größeren Ereignis auf dem Berg kommt. Denn die Feuerwehrfrauen und -männer wissen, dass bei einem Volksfest wie dem Berg es nicht einfach ist zu helfen.

 

Auch der Chef der Erlanger Feuerwehr, Friedhelm Weidinger (rechts) leistet seinen Bergdienst. Die Wache West an der unteren Bergstraße ist ein gut ausgerüsteter Container. Foto: Michael Busch

Konzept gegen Schreckensszenarien

  Es wird aber alles getan, um das Risiko möglichst gering zu halten. Die Stadt Erlangen hat in enger Zusammenarbeit mit dem Erlanger Feuerwehrchef Friedhelm Weidinger und dessen Führungskräften ein Konzept ausgearbeitet, das möglichen Schreckensszenarien entgegenwirken soll.  
  Die "Wache West" ist ein Teil davon. Gab es bis letztes Jahr "nur" eine Wache im mittleren Teil der Kerwa - im Schützenweg, wurde nun die zweite Station geschaffen. "Wir sind näher dran", erklärt Weidinger. Denn es gehe nicht nur um Löscharbeiten, es gehe auch darum die Lage bei einem Schadensfall zu erkunden, Angaben über die Ausmaße eines Unglücks Bescheid zu geben, die Art von Verletzungen machen zu können. Nicht zu missachten sei alleine die gefühlte Sicherheit der Besucher, wenn Feuerwehrleute vor Ort sind.  
  "Diese zweite Wache ist aber nur ein Teil des Konzeptes", erzählt der Erlanger Feuerwehrchef. "Wir haben Materialkästen auf dem Berg installiert", erklärt er die Neuerungen. In diesen befindet sich ein Wasseranschluss, Schlauch, Feuerlöscher - ein "Erstangriff", wie es im Feuerwehrjargon genannt wird, könnte somit gefahren werden. "Einfach ist es bei den vielen Menschen nicht, aber wir wollen soweit es geht Sicherheit bieten", sagt der Fachmann.  
  Loveparade zwingt zum Umdenken  
  Es ist das Unglück bei der Loveparade in Duisburg, das auch in Erlangen zum Umdenken gezwungen hat. Nicht immer mit beliebten Maßnahmen. Da wurden Gänge verbreitert, indem Verkaufsbuden an andere Plätze verbannt wurden, da wurden neue Sicherheitswege geschaffen, die Geld gekostet haben. Mancher Politiker atmet dann immer mal tief durch und sagt: "Aber es passiert doch nichts am Berg."  
  Die Einsatzkräfte wissen, dass dies nicht ganz stimmt. Vor Jahren hat ein Schaustellerwohnwagen direkt am Bergaufgang gebrannt. Gasflaschen waren in dem Wohnwagen vorhanden. Wären diese explodiert, hätte die Schadenslage ganz anders ausgesehen. Doch die Feuerwehr war, nicht zuletzt durch die Sonderwache am Berg, schnell vor Ort, um Schlimmeres zu verhindern.  
  Man kann auch darüber diskutieren, ob der ganze Aufwand gerechtfertigt ist, um wie am Dienstag geschehen, einen brennenden Gullyschacht abzulöschen. Die Frage, die sich jeder stellen muss, der dies infrage stellt: Was wäre ohne den Einsatz der Feuerwehrler gewesen?  
  Sieben bis acht Einsatzkräfte  
  Immerhin sind es in der Gesamtheit sieben Feuerwehr-Einsatzkräfte am Berg, ab 18 Uhr ist eine weitere Führungskraft mit dabei. Gebildet werden die Mannschaften von Feuerwehrleuten der Ständigen Wache und der Freiwilligen Feuerwehren aus Alterlangen, Büchenbach, Erlangen-Stadt und Dechsendorf. Die hauptamtlichen Kräfte sind wie ihre Kollegen aus den Ortswehren allerdings im ehrenamtlichen Einsatz.  
  Selbstverständlich ist die Zusammenarbeit mit den anderen Rettungseinheiten ganz eng. Das gilt für die Polizei ebenso wie für das Bayerische Rote Kreuz. So werden von den Kräften der Wache-West Verletzte auch mal bis zur "Haustüre" der Rot-Kreuzler gebracht. Diese wiederum sprechen heuer von einem ruhigen Berg. Die Hauptzeit liegt in diesem Fall auch eher nach 21 Uhr. Betrunkene haben zwar große Schutzengel, doch so gänzlich vor Blessuren schützen selbst diese nicht.  
 
Wenn es bei den Wehrlern 21 Uhr ist, warten noch gut drei Stunden Einsatzbereitschaft auf diese. Und mit später werdender Zeit die Frage: "Habt ihr hier eine Toilette?"
 
     
 
QUELLE:  
PRESSEBERICHT:  Michael Busch/ Fränkischer Tag - Nachrichten vom 02.06.2012
PRESSEFOTO:   Michael Busch
 
 

(Startseite)                                   (Presseberichte 2012)                             (Alarmierungen 2012)

© Freiwillige Feuerwehr Erlangen-Stadt 2012