Pressebericht: Klaus-Dieter Schreiter, Erlanger Nachrichten vom 10.12.2012  
Nächtliche Flammenhölle
Vier Personen wurden verletzt —Brandursache ist bislang noch unklar
 

Ein Feuer im neunten Stock des Langen Johann hat in der Nacht auf Samstag Feuerwehr und Rettungskräfte in Atem gehalten. Vier Personen sind bei dem Brand verletzt worden, die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 100 000 Euro.

 
 

Ein nächtliches Feuer im 9. Stock des 27-stöckigen Langen Johann hat Feuerwehr und Rettungskräfte beschäftigt. Fotos: Klaus-Dieter Schreiter

ERLANGEN — Der Alarm ging um 2.39 Uhr bei der Integrierten Leitstelle in Nürnberg ein, und nur wenige Minuten später waren die ersten Kräfte der Erlanger Feuerwehr bereits am Einsatzort. Da loderten die Flammen schon weithin sichtbar aus dem Fenster im neunten Stock des 27-stöckigen Hochhauses, und dichter, schwarzer Rauch zog die Fassade hinauf. Er breitete sich schnell über der gesamten Nord- und Weststadt aus. Weil die Eingrenzung des Brandherdes in einem Hochhaus und seine Bekämpfung eine besondere Herausforderung für die Feuerwehr bedeutet – es leben auf engem Raum viele Menschen, und die Gefahr einer Rauchgasvergiftung ist auch in noch nicht vom Brand direkt betroffenen Wohnungen groß – rückten neben den Kräften der Ständigen Wache auch die der Freiwilligen Feuerwehren Erlangen Stadt, Alterlangen und Büchenbach zum Langen Johann aus. Insgesamt waren 40 Feuerwehrleute mit acht Fahrzeugen im Einsatz.

Auch für den Rettungsdienst wurde wegen der zunächst unklaren, aber offenbar extrem gefährlichen Lage Großalarm gegeben. BRK und ASB waren schließlich mit 25 Kräften vor Ort, darunter die Sanitätseinsatzleitung mit dem leitenden Notarzt, die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung, der Rettungsdienst mit vier Rettungswagen und zwei Notärzten sowie die Schnelleinsatzgruppe des Erlanger BRK. Zudem wurden die Schnelleinsatzgruppen Behandlung, Transport und Betreuung aus Erlangen, Baiersdorf, Herzogenaurach, Höchstadt und

 
 

Heroldsberg mit insgesamt 70 Helfern in ihren Heimatstandorten in Alarmbereitschaft versetzt. Während die Erlanger Feuerwehr die Drehleiter auf der Westseite des Hochhauses unter der brennenden Wohnung in Stellung brachte und von dort aus das Feuer bekämpfte – die Leiter reicht gerade noch bis zum neunten Stockwerk eines Hauses hinauf –, drangen weitere Löschtrupps mit schwerem Atemschutz in dem Hochhaus vor und bekämpften die Flammen von innen. Das Löschwasser wurde durch die im Hochhaus vorhandenen Steigleitungen in den neunten Stock gepumpt. Nur rund 20 Minuten nach dem Alarm war das Feuer bereits gelöscht.

 
 
Mit Feuerlöscher agiert

Offenbar hatten mehrere Personen noch versucht, die sich schnell ausbreitenden Flammen mit Feuerlöschern zu bekämpfen. Davon zeugten neun geleerte Kleinlöschgeräte, die im Flur vor der ausgebrannten Wohnung standen. Die Bewohner – eine dreiköpfige Familie (66, 46 und 24 Jahre alt) – hatten dann gerade noch rechtzeitig aus der Flammenhölle flüchten können. Sie wurden leicht verletzt von der Feuerwehr im Treppenhaus entdeckt und dem Notarzt übergeben. Auch ein Bewohner eines Apartments oberhalb der Brandwohnung wurde verletzt. Drei der Verletzten erlitten laut BRKEinsatzleitung eine Rauchgasintoxikation, ein Patient zusätzlich Verbrennungen. Alle wurden in die Universitätsklinik eingeliefert

Ein nächtliches Feuer im 9. Stock des 27-stöckigen Langen Johann hat Feuerwehrund Rettungskräfte beschäftigt. Fotos: Klaus-Dieter Schreiter

 
 

Während die Feuerwehr den Brand bekämpfte, evakuierte die Polizei die beiden über der Brandwohnung liegenden Stockwerke. Insgesamt wurden rund 60 Menschen aus dem Schlaf gerissen. Zwar waren Busse der VAG angefordert worden, in denen sie sich aufhalten sollten, doch weil die Feuerwehr den Brand so schnell gelöscht und das Hochhaus mit Hochleistungslüftern rauchfrei gemacht hatte – in vier Wohnungen über der Brandwohnung mussten noch spezielle Lüftungsmaßnahmen durchgeführt werden – , konnten die Bewohner schon nach einer knappen Stunde wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Wie Stadtbrandrat Friedhelm Weidinger betonte, hat aufgrund des schnellen und effektiven Löscheinsatzes zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für andere Bewohner in dem Hochhaus bestanden.

 
 

Während der Lösch- und Rettungsarbeiten sperrte die Polizei die vierspurige Straße St. Johann in beide Fahrtrichtungen. Die stadtauswärts führende Fahrbahn war ohnehin durch die zahlreichen Rettungsfahrzeuge blockiert. Da die Wohnung total ausbrannte ist sie bis auf Weiteres nicht mehr bewohnbar. Auch die Fassade des Hochhauses wurde erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Kriminaldauerdienst Mittelfranken hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der 80 Meter hohe Lange Johann, der von 1970 bis 1972 erbaut wurde, ist mit 27 Stockwerken das höchste Hochhaus in Erlangen. In ihm gibt es 384 Wohnungen und 16 Büros, zurzeit sind dort nach Polizeiangaben 549 Menschen gemeldet.

 

Die Feuerwehrler kämpften sich durch die völlig Verrußte und verqualmte Wohnung und löschten letzte Glutnester ab.

 
 

Der Hochhauskomplex gilt mit seinen fast 24000 Quadratmetern Nutzfläche als größtes Wohngebäude Bayerns.

 
 

 KLAUS-DIETER SCHREITER

 
 

 

 
 
QUELLE:  
PRESSEBERICHT:  Klaus-Dieter Schreiter, Erlanger Nachrichten vom 10.12.2012
PRESSEFOTO:  Klaus-Dieter Schreiter
 
 

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